Löwenpudel oder des Pudels Kern

Wir treffen uns beim Löwenpudel!“ Was in anderen Städten vielleicht Kopfschütteln auslöst, ist hier in Osnabrück gang und gäbe. Das Monument des Löwenpudels auf dem Domvorplatz ist ein bekannter und beliebter Treffpunkt. Besonders als Ausgangpunkt für abendliche Erkundungen des Heger-Tor-Viertels ist der Löwenpudel bei Studenten beliebt.

Doch was hat es mit dieser Darstellung auf sich? Hat Osnabrück eine besonders lange Tradition der Hundezucht? Oderwerden hier Tierversuche mit abnormen Kreuzungen unternommen? Keine Angst, es handelt sich um nichts dergleichen.

Zu unserem schönen Löwenpudel gibt es ein klangvolle Sage:

 

Der Löwenpudel soll die Osnabrücker angeblich an einen treuen Hund erinnern, der ihnen vor langer Zeit, vor rund 1200 Jahren, das Fell rettete. Karl der Große, der spätere Kaiser, gründete hier einen Bischofssitz und forcierte die Christianisierung der Gegend. Von den zuvor heidnischen Untertanen ließ er sich die Treue schwören. Als Reisekönig verblieb Karl nicht dauerhaft an einem Ort. Nachdem er wieder seines Weges gezogen war, wandten sich die Bürger so schnell wie möglich wieder ihrem früheren Herzog Widukind ihren heidnischen Bräuchen zu.

Als Karl das hörte, wurde er rasend vor Wut und schwor, das erste Lebewesen zu köpfen, dem er nach seinem neuerlichen Einzug in Osnabrück begegnen würde. Als er wieder nach Osnabrück kam, war das erste Lebewesen, das er sah, seine Schwester. Sie war nämlich hier mit einem christlichen Sachsen verheiratet. Sie ging ihrem Bruder entgegen um ihn zu besänftigen, er möge die Osnabrücker doch verschonen. Erst im allerallerletzten Moment überholte der Lieblingshund der Schwester sie und kam als erstes bei Karl an. Karl hatte den
Hund einst seiner Schwester geschenkt. So konnte Karl seinen Schwur halten, und seine Schwester ab Leben lassen. Stattdessen schlug er dem Hund den Kopf an. Angeblich sollen dankbare Bürger zum Gedächtnis des Tieres diese Statue gestiftet haben. So erzählt man es sich.

Das ist natürlich alles Seemannsgarn. In Wirklichkeit zeigt der Löwenpudel die Darstellung eines Löwen und keines Hundes. Dieser Löwe ist immer ein Zeichen der Gerichtsbarkeit der Stadt. Genau hier, vor dem Dom, tagte nämlich das Blutgericht, in dem die schwereren Vergehen verurteilt wurden, die gegen Osnabrücker Bürger verhandelt wurden.